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17.07.2010

 

 

 


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Raucherentwöhnung

 

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Raucherentwöhnung




Der Tabak kann auf eine steile Karriere zurückblicken. Kolumbus hatte das Tabakrauchen in Mittelamerika beobachtet und Seeleute brachten die Pflanze Anfang des 16. Jahrhunderts nach Europa. Wissenschaftler glaubten, man habe eine wundersame Heilpflanze gegen die Pest und andere Krankheiten gefunden.


Die rauschähnlichen Zustände, die der Tabakgenuss erzeugt, wurden schon bald mit der Wirkung von Alkohol verglichen. So wurde das Tabakrauchen ein beliebtes Mittel zur Entspannung, das allerdings zunächst nur einigen Wenigen vorbehalten war. Doch mit den ersten Zigaretten 1863, kam auch das Rauchen allgemein in Mode. Nach dem Ersten Weltkrieg schließlich gelang dem Tabak der Durchbruch.

In Deutschland gibt es heute rund 20 Millionen Raucher. Nicht alle sind abhängig, aber 90.000 bis 140.000 sterben jedes Jahr an den Folgen des Tabakkonsums – und viele ziehen Passivraucher mit sich.

Schon vor hundert Jahren erkannte man die gesundheitlichen Risiken des Tabaks und bis heute ist man bemüht, das „Laster“ einzudämmen. Die Forschung zur Raucherentwöhnung und die Entwicklung verschiedener Entwöhnungsbehandlungen begannen vor rund 50 Jahren in den USA. Ausgehend von der Erkenntnis, dass bei der Tabakabhängigkeit sowohl körperliche als auch psychische Faktoren eine Rolle spielen, etablierten sich dabei neben medikamentösen auch psychologisch wirksame Verfahren.

Um die erfolgsversprechenden wissenschaftlich fundierten Methoden von weniger bodenständigen zu unterscheiden, wurden Richtlinien zur Behandlung von Rauchern erstellt, an die sich gute Therapiezentren auch anlehnen. Die bislang umfangreichste Leitlinie ist die „Clinical Practice Guideline“ von 2000. Sie basiert auf umfassenden und sorgfältigen Metaanalysen zur Effektivität von psychotherapeutischen und medikamentösen Behandlungsverfahren für Raucher. 2002 wurde sie durch die erste europäische evidenzbasierte Empfehlung ergänzt, die „WHO europe evidence based recommendations on the treatment of tobacco dependence“. In Deutschland kamen bislang zwei Leitlinien zur Behandlung der Tabakabhängigkeit heraus: eine von der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft („Empfehlungen zur Therapie der Tabakabhängigkeit“) und die AWMF-Leitlinie zur Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen. Die Inhalte der Empfehlungen sind im Großen und Ganzen übereinstimmend.

Motivation des Rauchers zur Abstinenz
Nur wer wirklich aufhören will, schafft es auch. Doch es ist nicht leicht, denn selbst bei hoher Motivation kann noch einiges schief gehen. Zwei Hürden sind zu nehmen: Die psychische und die körperliche Abhängigkeit. Jeder ernst gemeinte Versuch einer Raucherentwöhnungsbehandlung muss sich mit beiden Komponenten auseinander setzen. Die körperlichen Entzugssymptome, mit Schlafstörungen, Müdigkeit, Konzentrationsmangel, Nervosität, Unruhe, Obstipation oder Hungergefühl sind zu mildern, Versuchssituationen (das Rauchverlangen) sind zu überwinden und Gewohnheiten zu durchbrechen – Schritt für Schritt.

Die meisten Raucher sind in ihrem Entschluss, das Rauchen aufzugeben, ambivalent. Die kurzfristig positiven Auswirkungen, hier vor allem das Geschmackserlebnis, die Entspannung, die Konzentrationsförderung und die Zigarette als Mittel zur Kommunikation stehen Befürchtungen hinsichtlich der Entzugssymptomatik, der Gewichtszunahme und des Fehlens von alternativen Möglichkeiten zum Coping von Stresssituationen gegenüber. Ängste vor gesundheitlichen Folgen oder auch das Bedürfnis vor den eigenen Kindern verantwortungsvoll zu handeln sind im Vergleich zu den direkten Auswirkungen des Entzugs oft zu abstrakt, um als Motivation ausreichend zu sein. Welche Argumente schließlich ins Gewicht fallen, hängt von vielen Faktoren ab, auch vom Intellekt und vom sozialen Umfeld. Der Raucheranteil unter Männern und Frauen mit Volksschulabschluss ist zwei- bis dreieinhalb Mal höher, als bei solchen mit höheren Schulabschlüssen.

Mit der klaren Herausarbeitung der Motivation zum Entzug legt der behandelnde Arzt den Grundstein für den Therapieerfolg. Pro Kontakt muss das Gespräch hierzu nicht länger als fünf bis 10 Minuten in Anspruch nehmen. Die Motivation sollte sich, neben den individuellen Risiken, aber vor allem auf die positiven Konsequenzen des Nichtrauchens begründen, so z. B. auf die erhöhte körperliche Leistungsfähigkeit und Attraktivität, das Gefühl der Unabhängigkeit oder finanzielle Einsparungen und was damit alternativ zu machen ist. Auch der Entzug muss offen besprochen werden. Weiß der Raucher, welche möglichen Nachteile ihn in den Anfangsphasen erwarten, kann er besser damit umgehen und die Aufklärung über Hilfestellung, wie die obligat begleitende Psychotherapie oder die Nikotinersatztherapie, nehmen ihm die Ängste.


 

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