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Raucherentwöhnung
Der Tabak kann auf eine steile Karriere
zurückblicken. Kolumbus hatte
das Tabakrauchen in Mittelamerika
beobachtet und Seeleute brachten die
Pflanze Anfang des 16. Jahrhunderts
nach Europa. Wissenschaftler glaubten,
man habe eine wundersame Heilpflanze
gegen die Pest und andere Krankheiten
gefunden.
Die rauschähnlichen Zustände,
die der Tabakgenuss erzeugt, wurden
schon bald mit der Wirkung von Alkohol
verglichen. So wurde das Tabakrauchen
ein beliebtes Mittel zur Entspannung,
das allerdings zunächst nur einigen
Wenigen vorbehalten war. Doch mit
den ersten Zigaretten 1863, kam auch
das Rauchen allgemein in Mode. Nach
dem Ersten Weltkrieg schließlich
gelang dem Tabak der Durchbruch.
In
Deutschland gibt es heute rund 20
Millionen Raucher. Nicht alle sind
abhängig, aber 90.000 bis 140.000
sterben jedes Jahr an den Folgen des
Tabakkonsums und viele ziehen
Passivraucher mit sich.
Schon
vor hundert Jahren erkannte man die
gesundheitlichen Risiken des Tabaks
und bis heute ist man bemüht,
das Laster einzudämmen.
Die Forschung zur Raucherentwöhnung
und die Entwicklung verschiedener
Entwöhnungsbehandlungen begannen
vor rund 50 Jahren in den USA. Ausgehend
von der Erkenntnis, dass bei der Tabakabhängigkeit
sowohl körperliche als auch psychische
Faktoren eine Rolle spielen, etablierten
sich dabei neben medikamentösen
auch psychologisch wirksame Verfahren.
Um
die erfolgsversprechenden wissenschaftlich
fundierten Methoden von weniger bodenständigen
zu unterscheiden, wurden Richtlinien
zur Behandlung von Rauchern erstellt,
an die sich gute Therapiezentren auch
anlehnen. Die bislang umfangreichste
Leitlinie ist die Clinical Practice
Guideline von 2000. Sie basiert
auf umfassenden und sorgfältigen
Metaanalysen zur Effektivität
von psychotherapeutischen und medikamentösen
Behandlungsverfahren für Raucher.
2002 wurde sie durch die erste europäische
evidenzbasierte Empfehlung ergänzt,
die WHO europe evidence based
recommendations on the treatment of
tobacco dependence. In Deutschland
kamen bislang zwei Leitlinien zur
Behandlung der Tabakabhängigkeit
heraus: eine von der Arzneimittelkommission
der Deutschen Ärzteschaft (Empfehlungen
zur Therapie der Tabakabhängigkeit)
und die AWMF-Leitlinie zur Behandlung
von Abhängigkeitserkrankungen.
Die Inhalte der Empfehlungen sind
im Großen und Ganzen übereinstimmend.
Motivation
des Rauchers zur Abstinenz
Nur wer wirklich aufhören will,
schafft es auch. Doch es ist nicht
leicht, denn selbst bei hoher Motivation
kann noch einiges schief gehen. Zwei
Hürden sind zu nehmen: Die psychische
und die körperliche Abhängigkeit.
Jeder ernst gemeinte Versuch einer
Raucherentwöhnungsbehandlung
muss sich mit beiden Komponenten auseinander
setzen. Die körperlichen Entzugssymptome,
mit Schlafstörungen, Müdigkeit,
Konzentrationsmangel, Nervosität,
Unruhe, Obstipation oder Hungergefühl
sind zu mildern, Versuchssituationen
(das Rauchverlangen) sind zu überwinden
und Gewohnheiten zu durchbrechen
Schritt für Schritt.
Die
meisten Raucher sind in ihrem Entschluss,
das Rauchen aufzugeben, ambivalent.
Die kurzfristig positiven Auswirkungen,
hier vor allem das Geschmackserlebnis,
die Entspannung, die Konzentrationsförderung
und die Zigarette als Mittel zur Kommunikation
stehen Befürchtungen hinsichtlich
der Entzugssymptomatik, der Gewichtszunahme
und des Fehlens von alternativen Möglichkeiten
zum Coping von Stresssituationen gegenüber.
Ängste vor gesundheitlichen Folgen
oder auch das Bedürfnis vor den
eigenen Kindern verantwortungsvoll
zu handeln sind im Vergleich zu den
direkten Auswirkungen des Entzugs
oft zu abstrakt, um als Motivation
ausreichend zu sein. Welche Argumente
schließlich ins Gewicht fallen,
hängt von vielen Faktoren ab,
auch vom Intellekt und vom sozialen
Umfeld. Der Raucheranteil unter Männern
und Frauen mit Volksschulabschluss
ist zwei- bis dreieinhalb Mal höher,
als bei solchen mit höheren Schulabschlüssen.
Mit
der klaren Herausarbeitung der Motivation
zum Entzug legt der behandelnde Arzt
den Grundstein für den Therapieerfolg.
Pro Kontakt muss das Gespräch
hierzu nicht länger als fünf
bis 10 Minuten in Anspruch nehmen.
Die Motivation sollte sich, neben
den individuellen Risiken, aber vor
allem auf die positiven Konsequenzen
des Nichtrauchens begründen,
so z. B. auf die erhöhte körperliche
Leistungsfähigkeit und Attraktivität,
das Gefühl der Unabhängigkeit
oder finanzielle Einsparungen und
was damit alternativ zu machen ist.
Auch der Entzug muss offen besprochen
werden. Weiß der Raucher, welche
möglichen Nachteile ihn in den
Anfangsphasen erwarten, kann er besser
damit umgehen und die Aufklärung
über Hilfestellung, wie die obligat
begleitende Psychotherapie oder die
Nikotinersatztherapie, nehmen ihm
die Ängste.

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