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Wenn
der Arzt zum Patienten wird
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für Ärzte von
sanofi-aventis
Wenn
der Arzt zum Patienten wird
Der Beruf des Arztes gehört zu
jenen Professionen, die ihren Vertretern
das äußerste an psychischem
und körperlichem Einsatz abverlangen.
Kaum ein Arzt oder eine Ärztin
steckt diese Belastungen ohne Weiteres
weg.
Viele haben während ihrer Karriere
eigene erfolgreiche Strategien entwickelt,
die spezifischen Probleme zu meistern,
aber zahlreiche andere Kollegen verkraften
die psychischen Belastungen und die
besonderen Arbeitsbedingungen nur
schwer.
Studien
zufolge, die Dr. biol. hom. Harald
B. Jurkat und Professor Dr. med. Christian
Reimer vom Zentrum für Psychosomatische
Medizin der Universität Gießen
zwischen 1996 und 2001 veröffentlichten,
empfinden Ärzte folgende berufsspezifischen
Faktoren als besonders belastend:
Die hohe Arbeitsstundenzahl (Überziehung
der Regelarbeitszeiten), wechselnde
Arbeitszeiten, Zeitdruck, wachsendes
Ausmaß an Reglementierungen,
Verwaltungsaufwand, Auseinandersetzung
mit Behörden und Versicherungen,
Einschränkung der Selbstständigkeit,
Konflikte unter Kollegen, auch durch
die zunehmend interdisziplinäre
Zusammenarbeit, Zukunftsängste,
schlechte berufliche Aussichten (besonders
unter jüngeren Ärzten),
finanzielle Unsicherheit,überfordernde
Ansprüche von Vorgesetzten, schwierige
Arzt-Patienten-Beziehungen, ständige
Sorge um mögliche falsche Behandlungsstrategien
bzw. Kunstfehler (hohe Ideale), das
Leid der Patienten, z.B. die emotionale
Auseinandersetzung mit Schmerz und
Tod zu wenig Zeit für die Familie,
für die Kinder und für Privatleben
insgesamt. Alkoholabusus und Missbrauch
von Medikamenten und Drogen sind keine
Seltenheiten unter Ärzten. Verzeichnet
wird in der Berufsgruppe zudem eine
erhöhte Suizidalität und
eine allgemein erhöhte psychische
Instabilität. Viele Ärzte
sind mit ihrer beruflichen Situation
unzufrieden und davon überzeugt,
dass ihr Lebensstil der eigenen Gesundheit
schadet. All das signalisiert Handlungsbedarf.
Fördernde und unterstützende
Maßnahmen sind im Berufsfeld
Arzt dringend notwendig
und ihr präventiver Gebrauch
sollte für jeden Mediziner selbstverständlich
werden.
Leider
gibt es bis heute kein klares Konzept
zur Hilfe und entsprechend noch lange
kein strukturiertes und flächendeckendes
Angebot. Aber es gibt Vorreiter, wie
Dr. biol. hom. Harald B. Jurkat und
Prof. Dr. med. Christian Reimer. Seit
mehr als zehn Jahren setzen sie sich
mit den Ursachen und Folgen der besonderen
Belastung im Arztberuf auseinander
und haben entsprechende Präventionskonzepte
beispielhaft in die Ausbildung der
Studenten integriert. Worin besteht
die besondere Belastung von Ärzten
und Psychotherapeuten, dass diesem
Thema heute so viel Aufmerksamkeit
gewidmet wird. Warum leiden vor allem
Ärzte unter dem Burnout-Syndrom?
Die
helfende Persönlichkeit:
Selbstüberforderung ist vorprogrammiert
Ein zentraler Schwachpunkt ist die
Persönlichkeit Arzt
selbst: Menschen, die medizinische
Berufe ergreifen, tun dies überwiegend
aus Überzeugung, aus dem drängenden
Bedürfnis heraus, zu helfen.
Eine Haltung, die in der Gesellschaft
auf breite Anerkennung stößt.
Einfühlungsvermögen, Geduld,
Einsatzbereitschaft und Umsicht sind
wichtige Qualitäten im Umgang
mit Patienten und werden von diesen,
wie auch von Partnern, Kollegen und
Freunden, als besonders attraktiv
erlebt. Der Arzt selbst zählt
sie, neben der fachlichen Kompetenz,
zu seinen höchsten Idealen und
sieht sich aus dieser Position heraus
täglich mit den entsprechenden
Erwartungen, Wünschen und Hoffnungen
seiner Patienten konfrontiert.
Aber
was hier zu Beginn in Aussicht gestellt
wird, kann kein Mensch ein Leben lang
auf hohem Niveau durchhalten. Die
natürlichen Folgen sind Selbstüberforderung
und Enttäuschung auf beiden Seiten,
wenn die Bereitschaft zur Aufopferung
nachlässt. Besonders zehrend
wirken sich extreme Patiententypen
aus: schwierige, symbiotische, aber
auch passiv aggressive und demonstrativ
leidende Patienten sowie solche, die
besonders uneinsichtig und unerreichbar
erscheinen. Sie machen es Ärzten
und Therapeuten unmöglich, den
eigenen Anforderungen zu genügen.
Zu
hohe Ideale
Unrealistisch hohe und perfektionistische
Ideale, die kaum einen Fehler dulden
und damit auch eine persönliche
und berufliche Weiterentwicklung erschweren,
stehen bei Medizinern im Zusammenhang
mit beruflicher Erschöpfung.
Der Fokus liegt auf Erwartungen an
die Kompetenz, an die Einsatzbereitschaft
und an die Patientenbeziehung. Besonders
jüngere Ärzte geben der
umfassenden Patientenversorgung die
höchste Priorität. Bei erfahrenen
Kollegen rücken persönliches
Wohlbefinden und die persönliche
Entwicklung wieder mehr in den Vordergrund,
so die Ergebnisse einer von Jurkat
und Reimer 1999 veröffentlichten
Untersuchung (Der Allgemeinarzt 11/99).
Eine natürliche Selbstschutzreaktion.
Interessant ist in dem Zusammenhang
auch, dass hier nicht, wie oft angenommen,
vor allem die weibliche Psyche überfordert
ist. Belastungsursachen und -symptome
sind in ihrer Konstellation und Häufigkeit
nach den Analysen der Gießener
Wissenschaftler für Ärztinnen
und Ärzte fast identisch.
Belastung
am Arbeitsplatz steigt
Die Zeiten, in denen der Doktor"
neben dem Stadtrat und dem Bürgermeister
mit höchstem Ansehen im Dorf
residierte, sind vorbei. Ärzte
sind heute in Kliniken und Gemeinschaftspraxen
eingebunden, arbeiten unter Zeit-
und Konkurrenzdruck und oft mit Kollegen,
zu denen sie menschlich nicht passen.
Oft fehlt es an gegenseitigem Respekt
oder Patienten spielen Kollegen gegeneinander
aus. Und weil Ärzte in Zeiten
der interdisziplinären Zusammenarbeit
Patienten oft nur teilversorgen, fehlt
es an Rückmeldungen. Die Leistungen
werden nicht gewürdigt, weil
zum Beispiel ein direktes Feedback
vom Patienten durch die räumliche
Trennung der Behandlungszentren nicht
mehr möglich ist. Erschwerend
kommen Hierarchiesysteme sowie extrem
lange und variable Arbeitszeiten hinzu.
Teams leiden unter inkompetenten und
autoritären Vorgesetzten oder
es fehlt seitens der Klinikleitung
an Unterstützung oder an Freiräumen
für die Therapiegestaltung nach
persönlichem Ermessen.
Die
gesundheitspolitische Entwicklung
gibt wenig Hoffnung auf Besserung:
Immer weniger Ärzte müssen
immer mehr Leistung bringen und die
rasante medizinische Entwicklung fordert
zunehmend Spezialisierung und Zusammenarbeit.
Regelmäßige Fortbildungen
sind unerlässlich. Parallel nehmen
Reglementierung und Bürokratie
zu, schränken den Handlungsradius
der Ärzte ein und fordern zunehmend
betriebswirtschaftliche Fähigkeiten.
Frustration, schlechte Zukunftsperspektiven,
finanzielle Unsicherheit, Existenzängste
und auch Arbeitslosigkeit sind Belastungen,
die Ärzten noch vor 50 Jahren
fremd waren. Heute sind sie allgegenwärtig.
Wege
aus der Überforderung
Auf das berufliche Umfeld haben die
meisten Ärzte wenig Einfluss.
Jeder kann aber sein persönliches
Verhalten, seine Ideale und Wertvorstellungen
reflektieren, den Umgang mit schwierigen
Patienten lernen und seinen Alltag
bewusst strukturieren. Das Vorhaben
Arzt erscheint dann unter einem
ganz anderen Blickwinkel und es ergeben
sich Möglichkeiten, die persönliche
Lebensqualität zu verbessern.
Wer dafür einen Katalog mit Seminaren
zur Entlastung im Arztberuf
erwartet, wird enttäuscht. Universitäten,
KVen und Ärztekammern zum Beispiel
warten hier mit gähnender Leere
auf. Nur die historisch etablierten
Balintgruppen werden deutschlandweit
spezifisch zur Unterstützung
der Arzt-Patienten-Beziehung angeboten.
Es
gibt aber eine Reihe allgemein zugänglicher
Initiativen, die vom Arzt bzw. von
der Ärztin ergriffen werden können.
So werden von Psychologen Übungen
zur Selbstwahrnehmung empfohlen. Entspannungstechniken
sorgen für mehr Gelassenheit
und Stressabbau. Persönlichkeitstraining
in den unterschiedlichsten Formen
schafft Selbstsicherheit, fördert
eine klare Kommunikation und eine
gesunde Distanz zu den Patienten.
Eine klare Strukturierung von Arbeitsabläufen
und die Fähigkeit, zu delegieren,
hilft gegen das tägliche Überlastungschaos
am Arbeitsplatz und auch einfache
Übungen zur Psychohygiene können
die Welt des Arztes in ein angenehmeres
Licht rücken.
Ein
besser" oder schlechter"
gibt es bei all den Angeboten nicht.
Jeder muss für sich herausfinden,
wo seine beziehungsweise ihre Probleme
liegen und was dabei am besten helfen
kann. Zu hoffen bleibt, dass die Problematik
mehr in das Bewusstsein der Ärzte
und der zuständigen Behörden
rückt, und dass es bald auch
mehr in den Lehrplänen der Universitäten
berücksichtigt wird im
Sinne der Ärzteschaft, als auch
im Sinne der Patienten.

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