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Ärzte
auf hoher See
Traumjob Schiffsarzt? Er näht
die Platzwunde am Knie, er rät
zur richtigen Malaria-Prophylaxe,
er kennt das beste Mittel bei Seekrankheit.
Beim Galadinner sitzt er neben dem
Kapitän, geschätzt und geachtet
von den Passagieren. So sieht man
den Schiffsarzt in der Fernsehserie
Traumschiff.
Weniger
der Glamour, als die Liebe zu Schiffen
und die medizinische Herausforderung
führten Dr. Ralph-Michael Schulte
dazu, den weißen Kittel von
Zeit zu Zeit gegen die weiße
Uniform zu tauschen. Medizin
unter diesen Bedingungen zu praktizieren,
hat mich gereizt. Auf See ist man
völlig auf sich gestellt,
erklärt der Neurologe und Psychiater,
der seit 22 Jahren Kreuzfahrten begleitet.
Kompetent
und routiniert
Zwar schreibt das offizielle Anforderungsprofil
an einen Schiffsarzt keine abgeschlossene
Facharztausbildung vor, doch sei dies
dringend zu empfehlen, erklärt
Schulte, ebenso wie praktische Erfahrung
in Intensivmedizin. Festgelegt ist
das offizielle Anforderungsprofil
an den Schiffsarzt in der Verordnung
über die Krankenfürsorge
auf Kauffahrteischiffen, aktuelle
Fassung vom 22. April 1996. Dort setzt
Paragraph 15 neben der ärztlichen
Approbation und den Fachkundenachweisen
in Strahlenschutz sowie Rettungsdienst
ausreichende Kenntnisse
für die Tätigkeit als Schiffsarzt
voraus. Wie diese Anforderung im einzelnen
erfüllt wird, legen Empfehlungen
des Arbeitskreises der Küstenländer
für Schiffshygiene fest. Zuständig
für deren Umsetzung ist der hafenärztliche
Dienst im Heimathafen des jeweiligen
Schiffes, der als Teil des öffentlichen
Gesundheitswesens die behördlichen
Aufgaben wahrnimmt.
Die
Anforderungen an einen Arzt auf See
sind hoch, bestätigt auch
Dr. Friederike Besch, Hafenärztin
in Kiel: Eine fünf bis zehnjährige
klinische Tätigkeit in Chirurgie
und Innerer Medizin wird heute für
die Tätigkeit als Schiffsarzt
erwartet, Erfahrung in Reise- und
Tropenmedizin sowie Basiskenntnisse
in Zahnheilkunde sind erwünscht.
Seit
2001 kann bei der Ärztekammer
Schleswig-Holstein das Zertifikat
Maritime Medizin erworben
werden, das in besonderer Weise auf
die Tätigkeit als Schiffsarzt
vorbereitet.
Sprachgewandt
und seetauglich
Über profunde Englischkenntnisse
sollte ein Schiffsarzt ebenfalls verfügen,
um sich sowohl mit den Gästen
als auch mit der bunt zusammengesetzten
Mannschaft über Englisch als
Second Language verständigen
zu können. Zudem wird Englisch
als internationale Seefahrtssprache
eingesetzt.
Wie
jedes andere Mitglied der Crew muss
ein angehender Schiffsarzt seine Seediensttauglichkeit
nachweisen (Seemannsgesetz §81).
Er unterliegt dabei in Bezug auf die
Kriterien Sehen und Hören
jedoch weniger strengen Anforderungen
als ein Nautiker. Ausgestellt wird
das Zeugnis über die Seediensttauglichkeit
durch die See-Berufsgenossenschaft.
Kontaktfreudig
und beziehungsfähig
Mit der Bescheinigung des Hafenarztes
über seine Qualifikation als
Schiffsarzt bewirbt sich der Aspirant
bei den Reedereien, die auf vielgefächerte
medizinische Erfahrungen sowie persönliche
Kompetenz Wert legen.
Man
ist fehl an Bord, wenn man nicht auch
bereit ist, gewisse gesellschaftliche
Funktionen zu übernehmen. Das
ist Teil des Systems Schiff,
bringt Dr. Schulte die persönlichen
Anforderungen auf den Punkt.
Kein
Partymensch sollte dagegen der Schiffsarzt
sein, der ein Forschungsschiff begleitet,
betont der Chirurg Dr. Konrad Raabe,
der regelmäßig auf den
deutschen Forschungsschiffen Meteor
und Sonne fährt.
Das Leben an Bord wird von den wissenschaftlichen
Projekten geprägt, und das Schiff
legt nur kurze Zeit an den verschiedenen
Häfen an. Für einen ausgiebigen
Landgang, wie bei einem Luxusliner,
bleibt keine Zeit.
Auf
Großer Fahrt
Welches Schiff einen Schiffsarzt braucht,
welche Einrichtung und welche Ausrüstung
erforderlich ist, regelt ebenfalls
die Verordnung über die
Krankenfürsorge auf Kauffahrteischiffen:
So
müssen Schiffe, die mehr als
75 Personen an Bord haben und auf
Mittlerer oder Großer Fahrt
sind, von einem Schiffsarzt begleitet
werden. Auch Schiffe, auf denen mehr
als 100 Personen eine berufliche Tätigkeit
an Bord ausüben, brauchen bereits
einen Schiffsarzt, wenn sie mehr als
drei Tage in Kleiner Fahrt unterwegs
sind. Neben dem Schiffsarzt begleitet
mindestens eine Krankenschwester oder
ein Krankenpfleger die Reise. Auf
welchem Meer sich ein Schiff auch
gerade befindet, so lange es unter
deutscher Flagge fährt, ist es
deutsches Hoheitsgebiet. Tatsächlich
sind es jedoch nur wenige Schiffe
mit einem deutschen Heimathafen. Viele
Schiffe stehen zwar unter dem Kommando
eines deutschen Kapitäns, fahren
jedoch unter maltesischer oder zypriotischer
Flagge. Ob sie von einem Schiffsarzt
begleitet werden müssen, bestimmt
das jeweilige Land.
Praxis
auf dem Ozean
Viele medizinische Probleme auf See
lassen sich auf eine mangelnde Vorbereitung
zurückführen. So suchen
schlecht eingestellte Diabetiker ebenso
schiffsärztliche Hilfe wie Reisende,
die Impfungen versäumt oder die
Malaria-Prophylaxe vernachlässigt
haben.
Mit
den kleinen Wehwehchen wird jeder
Schiffsoffizier fertig. Auf den Schiffsarzt
kommt es an, wenn die Katastrophe
eintritt. Wie im Rettungsdienst treten
auf See kardiologische Probleme heute
seltener auf, psychiatrische und neurologische
Notfälle nehmen dagegen dramatisch
zu, fasst Dr. Schulte seine
Beobachtungen zusammen: Viele
Kreuzfahrtreisende unterschätzen
die psychische und physische Belastung
einer mehrwöchigen Seereise.
Treten
auf hoher See medizinische Probleme
auf, die ein Schiffsarzt allein nicht
lösen kann, so kann er sich rund
um die Uhr an die Funkärztliche
Beratungsstelle wenden, die in Deutschland
am Krankenhaus Cuxhaven angesiedelt
ist. Dort wird ein Kontakt zu allen
medizinischen Sparten hergestellt.
Geld
und Recht
Ein Schiffsarzt bezieht entweder von
der Reederei ein festes Gehalt, oder
er mietet die Behandlungsräume
des Schiffes und liquidiert nach deutscher
GOÄ. Im Einzelfall schließen
die Reedereien individuelle Verträge
mit ihren Schiffsärzten ab, die
auch andere Varianten, wie ein Grundgehalt
mit prozentualer Beteiligung, vorsehen.
Vor der Aufnahme einer Tätigkeit
als Schiffsarzt ist es äußerst
wichtig, eine umfassende Berufshaftpflichtversicherung
abzuschließen.
Seereisen
liegen im Trend
2002 waren mehr als 250 Kreuzfahrtschiffe
mit über neun Millionen Passagieren
unterwegs, darunter etwa 700 000 Deutschen.
Und der Markt wächst weiter:
Im Bau sind mehr als 50 Kreuzfahrtschiffe,
die bis zu 2500 Passagiere Platz bieten
sollen. Wenn einige dieser weißen
Riesen unter deutscher Flagge zugelassen
werden, stehen die Chancen für
deutsche Schiffsärzte nicht schlecht.

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