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Ernährungsmedizin
- Qualifizierte Beratung gefordert
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ein kostenloser werbender Service für Ärzte
von
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Ernährungsmedizin
- Qualifizierte Beratung gefordert

Obwohl
erst im Entstehen begriffen und von
vielfältigen Unwägbarkeiten
betroffen, stößt die Ernährungsmedizin
auf große Nachfrage nicht nur
bei kranken, sondern auch bei gesunden
Patienten. Somit eröffnet
sie entsprechend fortgebildeten Ärztinnen
und Ärzten ein viel versprechendes
Betätigungsfeld.
Lasst das Essen Eure Medizin
und die Medizin Euer Essen sein.
Schon Hippokrates wusste, dass Ernährung
und Medizin zusammen gehören.
Und bereits in der Antike war der
Arzt die erste Instanz bei allen Fragen
zur Ernährung.
Heute
steht das Thema Ernährung
mehr denn je im Mittelpunkt des allgemeinen
Interesses und geht weit über
Empfehlungen bei Erkrankungen hinaus.
Was soll ich essen, um gesund
zu bleiben?, möchten die
Menschen wissen. Entsprechend hat
sich aus der Diätetik in nur
zwei Jahrzehnten das Fach Ernährungsmedizin
entwickelt, mit zahlreichen Facetten
von enteraler und parenteraler Ernährung
in der Akutmedizin über die Therapie
von Stoffwechselerkrankungen bis hin
zur Prävention.
Beratungsbedarf
steigt rasant
Der Bedarf an ernährungsmedizinischer
Beratung ist riesig, berichtet
Evelyn Gieren, niedergelassene Allgemein-
und Ernährungsmedizinerin in
Donzdorf, aus ihrer Praxis. Bereits
heute leidet jeder fünfte Bundesbürger
an Adipositas, jeder dritte an einer
Hypercholesterinämie, fast jeder
zehnte an Diabetes. Gut 40 Mrd. Euro
und damit jeder dritte Euro im Gesundheitswesen
wird für ernährungsabhängige
Krankheiten und krankheitsbedingte
Ernährungsstörungen ausgegeben
- mit steigender Tendenz.
Doch
nicht nur ein Zuviel an Nahrung schafft
Probleme, sondern auch ein Zuwenig:
In den letzten zehn Jahren hat
sich die Zahl der alten Damen, die
ich in meiner Stuttgarter Praxis als
mangelversorgt diagnostiziere, deutlich
erhöht, stellt die Allgemeinmedizinerin
Dr. med. Gisela Dahl, Präventionsbeauftragte
der Landesärztekammer Baden-Württemberg,
fest. Wir finden auch immer
mehr Kinder, die schlecht ernährt
sind. Die Ursachen sind vor allem
in wirtschaftlichen Schwierigkeiten
und fehlender Bildung zu suchen. Vater
und Mutter haben ihren Job verloren
und dann gibt es Tütensuppe,
weil es billig ist. Hier besteht dringender
Beratungsbedarf!, führt
die Ärztin weiter aus.
Eine
besondere Ernährung benötigen
auch viele schwer kranke Menschen,
sowohl in der Klinik als auch im ambulanten
Bereich, unterstreicht Professor Dr.
med. Berthold Koletzko vom Haunerschen
Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität
in München. Dieses Feld
wird von Ärzten oft nicht ernst
genug genommen, mahnt der Pädiater,
Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft
für Ernährungsmedizin.
Auch
der Bedarf an Beratung gesunder Menschen
steigt. Gesunde Ernährung ist
zum Megathema geworden.
Keine Publikumszeitschrift, die ohne
eine Ernährungsseite auskommt,
kein Fernsehsender, der nicht einen
Ernährungsexperten zu Wort kommen
lässt. Doch viele Aussagen zum
Thema Ernährung sind wissenschaftlich
nicht abgesichert, manch ideologisch
verbrämte Lehren prägen
die Szene. Wobei das Spektrum der
Betrachtung vom Übergewicht bis
umgekehrt zur Magersucht (Anorexia
nervosa) reicht.
Ernährungsmedizin
heute
Vor diesem vielfältigen Hintergrund
war es nötig, eine evidenzbasierte
Ernährungsmedizin zu entwickeln
und ein Curriculum für die Weiterbildung
Ernährungsmedizin
zu erstellen. Die erste Ausgabe wurde
1998 von der Bundesärztekammer
in Zusammenarbeit mit verschiedenen
Fachgesellschaften wie der Deutschen
Gesellschaft für Ernährungsmedizin
e. V. (DGEM), der wissenschaftlichen
Fachgesellschaft für Ernährungsmedizin,
herausgegeben. Eine aktuelle, den
neuen Vorgaben der Weiterbildungsordnung
angepasste Version ist in Arbeit.
Um
qualifizierte ärztliche Fort-
und Weiterbildung in Ernährungsmedizin
anzubieten, wurde bereits 1983 von
der Deutschen Gesellschaft für
Ernährungsmedizin (DGEM) die
Deutsche Akademie für Ernährungsmedizin
(DAEM) gegründet.
Mehrere
hundert praktizierende Ernährungsmediziner
haben sich im Bundesverband Deutscher
Ernährungsmediziner (BDEM) zusammengeschlossen.
Im Januar 2005 initiierte der BDEM,
gemeinsam mit dem Institut für
Qualitätssicherung in Ernährungsmedizin
und Diätetik, das Projekt Schwerpunktpraxis
Ernährungsmedizin (BDEM),
um Arztpraxen mit Schwerpunkt in der
Ernährungsmedizin zu zertifizieren.
Diese Prozedere haben bis jetzt 26
Praxen absolviert.
Ärzte
spielen in der Ernährungsberatung
eine besondere Rolle, denn sie genießen
hohes Vertrauen in der Bevölkerung
und haben zu Menschen unterschiedlicher
sozialer Gruppen Kontakt. Geht es
nicht um Prävention, sondern
um Ernährungstherapie, dann ist
der Mediziner besonders gefordert.
Qualifizierte Ernährungsberatung
bei einem Patienten muss immer unter
der Sicht der Diagnose erfolgen,
hebt Ernährungsmedizinerin Gieren
hervor.
Die
ganz dicken Menschen, die zu uns kommen,
haben bisweilen eine schier unglaubliche
Diätkarriere hinter sich: von
Weight-Watchers bis zu obskuren Pillen
aus dem Internet. Eine wesentliche
Aufgabe des Ernährungsmediziners
besteht auch darin, bei der großen
Vielfalt an Angeboten zum Abnehmen
die Spreu vom Weizen zu trennen,
bringt der Frankfurter Ernährungsmediziner
Dr. med. Klaus Winckler seine Erfahrungen
auf den Punkt.
Kostenerstattung
in der Therapie ...
Die Finanzierung von Ernährungsberatung
ist über den EBM (einheitlicher
Bewertungsmaßstab) der kassenärztlichen
Gebührenordnung nicht vorgesehen.
Doch viele Krankenkassen übernehmen
im Rahmen von § 43 SGB V bei
fünf Einzelberatungen einen großen
Teil der Kosten, sofern adipöse
Menschen mit Risikofaktoren betroffen
sind. Der Arzt muss seinem Patienten
dazu eine medizinische Notwendigkeitsbescheinigung
ausstellen.
Eine
Ernährungsberatung des Patienten
ist auch in die Disease-Management-Programme
(DMP) von Koronarer Herzerkrankung
und Diabetes mellitus Typ 2 integriert.
Eine Kostenerstattung durch die Krankenkasse
ist dann meist einfacher zu erzielen.
Gruppenkurse
zur Therapie von Adipositas werden
dagegen durch die Gesetzliche Krankenversicherung
(GKV) meist nicht erstattet, mit Ausnahme
des M.O.B.I.L.I.S -Programm der Sportmedizinischen
Universitätsklinik Freiburg.
Der Name M.O.B.I.L.I.S. steht für
multizentrisch organisierte bewegungsorientierte
Initiative zur Lebensstiländerung
in Selbstverantwortung und greift
zugleich den lateinischen Begriff
mobilis für beweglich
auf.
...
und in der Prävention
Basierend auf dem Leitfaden zur Gesundheitsförderung
der Spitzenverbände der Krankenkassen,
basierend § 20 Abs. 1 und 2 SGB
V, können Leistungen in Ernährungsberatung
als Präventionsmaßnahme
von den Krankenkassen mitfinanziert
werden und zwar in den Feldern Vermeidung
von Mangel- und .Fehlernährung
sowie Vermeidung und Reduktion
von Übergewicht. Die Krankenkassen
legen dabei fest, welche Qualifikation
ein Ernährungsberater in diesem
Sinn aufweisen muss. In der aktuellen
Version des Leitfadens Prävention
vom 10. Februar 2006 sind neben Ernährungswissenschaftlern
und Diätassistenten Ärzte
aufgeführt, die das Curriculum
Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer
absolviert haben und/oder beim Institut
für Qualitätssicherung in
der Ernährungstherapie und -beratung
(QUETHEB) registriert sind. Dem QUETHEB
haben sich bisher rund vierzig niedergelassene
Ärzte angeschlossen.
Im
Rahmen dieses Präventionsmodells
kann beispielsweise ein Kurs zur Gewichtsreduktion,
der die Elemente Ernährungs-,
Bewegungs- und Verhaltenstherapie
verknüpft, mit Unterstützung
der GKV finanziert werden.
In
welchem Umfang solche Kosten tatsächlich
erstattet werden, variiert je nach
Bundesland und Krankenkasse. Das zeigte
eine Umfrage unter niedergelassenen
Ernährungsmedizinern, die während
eines gemeinsamen Kongresses von Ernährungsmedizinern,
Ökotrophologinnen und Diätassistentinnen
im April 2006 vorgestellt wurde. Ein
Arzt, der ernährungsmedizinische
Leistungen anbieten möchte, tritt
deshalb am besten an die Krankenkassen
seines Umfelds heran und stellt seine
Projekte vor.
Da
ein niedergelassener Haus- oder Facharzt
kaum Zeit finden wird, selbst Sprechstunden
für Ernährungsberatung anzubieten,
arbeiten die meisten Ernährungsmediziner
mit einer Diätassistentin oder
Ökotrophologin zusammen. Dabei
kann die Ernährungsfachkraft
als fest angestellte oder als freie
Mitarbeiterin in der Praxis tätig
sein. Auch eine Überweisung an
eine freiberuflich tätige Fachkraft
ist möglich.
Ernährungsmedizin
morgen
Zieht man ein Fazit, bleibt festzustellen,
dass die Situation in der Ernährungsmedizin
immer noch unbefriedigend ist. Die
Weiterbildung ist in der Entwicklung,
die Finanzierung durch die GKV unsicher.
Gleichwohl es ein wichtiges und zukunftsträchtiges
Fach. Ernährungsmedizin
ist ein spannendes Feld. Man kann
viel bewirken, und es macht großen
Spaß, lautet trotz aller
Widrigkeiten das Resümee von
Evelyn Gieren.

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