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17.07.2010

 

 

 


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Lebenslanges Lernen im Arztberuf

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Lebenslanges Lernen im Arztberuf

Lebenslanges Lernen im Arztberuf


Mit der Approbation ist die Ausbildung des Arztes nicht zu Ende. Die Rede ist hier nicht von der Weiterbildung, mit der eine Facharzt- oder Zusatzbezeichnung erworben werden kann. Es geht um die laufende Fortbildung, die – wie in vielen Berufen – dazu gehört, solange ein Arzt seine Tätigkeit ausübt.



Mit dem Fortschritt in der Medizin Schritt zu halten, ist keine leichte Aufgabe. Denn der Wissenszuwachs ist enorm, die Zahl der medizinischen Fachveröffentlichungen längst unüberschaubar. „Trotzdem glauben viele Einzelkämpfer in ihren Praxen, auch nach zehn Jahren noch auf dem neuesten Stand zu sein“, beklagt Dr. Axel Munte, Vorsitzender des Vorstands der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) im Interview (siehe: Interview Dr. Axel Munte).

Für Ärzte in Krankenhäusern und Vertragsärzte der Krankenkassen besteht deshalb seit 2004 die Verpflichtung, sich regelmäßig fortzubilden. Alle fünf Jahre (erstmals spätestens im Juni 2009) muss gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung der Nachweis erbracht werden, dass diese Verpflichtung erfüllt wurde. Wer sich unzureichend fortbildet, muss mit einem Abschlag der Vergütung rechnen. Ärzten, die sich gar nicht fortbilden, droht der Entzug der Kassenzulassung.

Die Details der Fortbildungsverpflichtung hat die Bundesärztekammer in einer Musterfortbildungssatzung. veröffentlicht. Danach müssen im Zeitraum von fünf Jahren 250 Fortbildungspunkte erworben werden, davon 150 im eigenen medizinischen Fach. Ein Fortbildungspunkt entspricht dabei einem Zeitaufwand von etwa 45 Minuten. Rechnerisch ergeben sich also jährlich 37,5 Stunden verpflichtende Fortbildung.

Die Fortbildung gehört zu den Aufgaben der Ärztekammern, die selbst entsprechende Angebote machen. Darüber hinaus zertifizieren sie die Angebote anderer Veranstalter und vergeben die Punktzahlen dafür. Das Spektrum ist breit gefächert: Der Besuch von Vorträgen und wissenschaftliche Kongresse zählen ebenso als Fortbildungsmaßnahmen wie Qualitätszirkel, das Selbststudium durch Fachliteratur oder elektronische Medien, eigene Veröffentlichungen und Vorträge sowie Hospitationen. In der Wahl der Angebote sind die Ärzte grundsätzlich frei; allerdings dürfen höchstens 100 Punkte über Online-Angebote erworben werden (siehe: Breites Spektrum).

Angesichts dieser Angebotsvielfalt hat der Arzt die Qual der Wahl. Die Qualität der Angebote sollte da das allerwichtigste Kriterium für die Auswahl von Veranstaltungen sein. Doch „im Voraus ist es oft unmöglich, festzustellen, welche Angebote gut sind und welche nicht“, sagt Axel Munte. Häufig werden Fortbildungsveranstaltungen durch Pharmaunternehmen finanziert. Daran wird oft Kritik geübt, doch „auch unter diesen Angeboten gibt es hervorragende Fortbildungen ohne werbliche Beeinflussung“, so Munte weiter. Dem Arzt bleibt also nichts anderes übrig, als selbst so genau wie möglich zu prüfen, ob die Qualitätskriterien für qualifizierte und unabhängige Fortbildungen voraussichtlich erfüllt sind. Ein Reinfall ist trotzdem nicht ausgeschlossen. Denn inzwischen sei eine wahre „Fortbildungsindustrie“ entstanden, die kaum noch kontrollierbar sei, beklagte Prof. Ulrich Hake aus Mainz 2007 im Deutschen Ärzteblatt. Dort und in anderen Ärztezeitschriften ist die sehr unterschiedliche Qualität von Fortbildungen inzwischen ein leidiges Dauerthema.

Einfacher ist die Einschätzung von Online-Angeboten, also von Fortbildungen auf CD-ROM und im Internet. Bei dieser Form ist allerdings auch die Versuchung groß, nach dem Motto „Augen zu und durch“ beispielsweise unerwünschte Werbebanner zu ignorieren und auf die Schnelle viele Punkte zu erwerben. Noch einfacher ist das bei Multiple-Choice-Tests, die in Ärztezeitschriften zu finden sind – die Antworten können meist direkt dem Fortbildungsartikel entnommen werden, der dem „Test“ vorausgeht. „Jeder sammelt seine Punkte wie früher im Tante-Emma-Laden die Rabattmarken“, hat Ulrich Hake beobachtet. Es darf jedoch bezweifelt werden, dass diese Strategie langfristig aufgeht: Viele Patienten merken durchaus, ob ein Arzt auf dem neuesten Wissensstand ist. Es lohnt sich also, in möglichst hochwertige und aktuelle Fortbildungen zu investieren (siehe: Aufwand und Nutzen). Der persönliche Kontakt zu Kollegen ist da übrigens eines der besten Mittel: „Kooperationen sind ganz wichtig“, hebt Axel Munte hervor – auch wenn es dafür allein noch keine Punkte gibt.


 

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